Moderater Ausstieg aus dem Beruf hält gesund

Moderater Ausstieg aus dem Beruf hält gesund

Menschen, die auch im Ruhestand noch ein wenig arbeiten, sind gesünder und länger fit als ihre nicht berufstätigen Altersgenossen

Aktiv bleiben: Computerarbeit im Ruhestand kann helfen, gesund und zufrieden zu bleiben

Der Ruhestand – endlich Zeit zum Faulenzen, Lesen, Reisen, Familie und Hobbies. Doch wer die ein Berufsleben lang ersehnte Zeit auch wirklich genießen will, sollte sich unter Umständen mit den Ergebnissen einer an der Universität von Maryland durchgeführten Studie auseinandersetzen.

Deren Ergebnis dämpft vielleicht die Vorfreude des einen oder anderen: Wer seinen Lebensabend möglichst lange gesund verbringen will, sollte demnach nicht von heute auf morgen aufhören zu arbeiten. Senioren, die ihre Beruftstätigkeit langsam ausklingen lassen, erkranken laut der Untersuchung weniger häufig an den großen Volkskrankheiten und sind körperlich fitter als diejenigen, die abrupt vom Beruf in den Ruhestand wechseln.

Die Psychologen haben mit “Brückenarbeit” auch schon einen Namen für das von ihnen beobachtete Phänomen. Diese Brückenarbeit kann ein Teilzeit-Job, eine selbständige Arbeit oder eine befristete Stelle sein. Wichtig ist nur, dass der Übergang vom Arbeitsleben in Rente oder Pension moderat erfolgt und die Arbeit etwas mit dem ursprünglichen Beruf zu tun hat.

Die Marylander Psychologen werteten für ihre Studie Daten von 12.189 Teilnehmern der US-amerikanischen Gesundheitsstudie “Health and Retirement Study” aus, die den Zusammenhang von Gesundheit und Ruhestand untersucht. Die zwischen 51 und 61 Jahre alten Teilnehmer beantworteten sechs Jahre lang im Abstand von zwei Jahren einen Katalog mit Fragen zu Gesundheit, finanzieller Situation, beruflichen Werdegang sowie Berufstätigkeit und Lebensgestaltung im Ruhestand.

Ein Augenmerk der Wissenschaftler lag dabei auf der Entwicklung von Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes, Krebs, Lungenkrankheiten, Herz-Erkrankungen, Schlaganfall und psychischen Problemen. Es zeigte sich, dass die Probanden, die mit einer “Brückenarbeit” den Übergang in den Ruhestand moderat gestalteten, seltener an den großen Volkskrankheiten erkrankten und weniger häufig funktionelle körperliche Einschränkungen hatten, als diejenigen, die von einem Tag zum anderen zu arbeiten aufhörten.

Arbeit hält also gesund. Doch nicht immer. Auch das fanden die amerikanischen Wissenschaftler heraus: Wichtig ist, dass die Tätigkeit einen Bezug zum alten Beruf hat und dass sie aus freien Stücken geschieht. War das nicht der Fall, war kein positiver Effekt auf die Gesundheit festzustellen. Das könnte daran liegen, dass eine ungewohnte Tätigkeit und ein neues Arbeitsumfeld Menschen unter Stress setzt – vor allem dann, wenn sie nicht freiwillig arbeiten, sondern weil sie es aus finanziellen Gründen müssen. “In einer solchen  Situation ist es schwierig, die Vorzüge einer Brückenarbeit zu genießen”, meint Studienautor Mo Wang.